Ihre Sprache ist ein Verräter

Für den Abschluss einer rauschenden Ballnacht bei einem kleinen Bier und einer Gulaschsuppe war dies der perfekte Ort. Jedes Mal, wenn ich hier bin, erinnere ich mich an die vielen Wiener Bälle, die ich als Jugendlicher besucht habe. Hier im Hotel Regina in Wien der krönende Abschluss. Bereits damals war es so: Sprache ist ein Verräter, doch wir wussten es noch nicht …

Doch heute bin ich aus einem ganz anderen Grund hier. Unsere Lions Club Sitzung ist heute wieder an der Tagesordnung. Und es ist eine herrliche Gelegenheit zu beobachten, was Menschen miteinander reden und wie sie miteinander umgehen. Die meisten erzählen von sich oder wollen den Gesprächspartner von ihrer eigenen Meinung überzeugen, ein Meinungsaustausch also. Doch wie gut wird er gelingen?

Es kommt auf die Form an, und nicht auf den Inhalt

Denken Sie doch einen Moment ans Kuchen backen. Der Inhalt, also der Teig, passt in viele verschiedene Formen, in Nikolo-Formen und in Osterhasen-Formen. Nicht jede Form ist für jeden Anlass passend, nicht wahr? Oder an den so wunderbaren Wein, der Ihnen im Urlaub so hervorragend geschmeckt hat, von dem Sie eine Flasche unbedingt mit nach Hause nehmen wollten – doch beim ersten erwartungsvollen Schluck aus dem edlen Glas im gemütlichen Wohnzimmer ist dieser Wein nur mehr bestenfalls mäßig gut.

Das Gelingen von Kommunikation hängt in den wenigsten Fällen vom Inhalt ab. Es hängt vielmehr davon ab, WIE wir kommunizieren. Also von der Art und Weise, WIE wir uns ausdrücken. Denn die Art und Weise, wie wir Sprache verwenden, verrät, wie wir denken. Sprache ist ein Verräter.

Denken und Sprache sind nahe Verwandte

Machen wir ein Beispiel. Jemand in Ihrem Unternehmen sagt zu Ihnen folgendes: „Der Markt gibt nicht mehr her!“ Ein Klassiker in Vertriebsabteilungen.

Die klassische Antwort, je nach Ihrer Position im Unternehmen könnte lauten: „Ja“ oder „Nein“. Also auf Ebene des Inhalts. Die harte Diskussion über die Richtigkeit dieser Aussage scheint unausweichlich. Konfrontation pur ist vorprogrammiert.

Bevor Sie inhaltlich, wie auch immer, antworten, halten Sie kurz inne und ziehen Sie folgende Möglichkeit in Betracht: Gehen Sie auch auf eine Meta-Ebene und treffen Sie dort folgende Feststellungen:

  • Es handelt sich „nur“ um eine Überzeugung dieser Person, die eine Annahme dieser Person über sich selbst beinhaltet, wie z.B. „Ich schaffe nicht mehr.
  • Diese Überzeugung wird, so wie sie formuliert ist, als für immer gültig betrachtet.
  • Mit dieser Überzeugung ist eine persönliche Emotion verknüpft, die wir nicht kennen.
  • Es ist unklar, wer genau mit „Der Markt“ gemeint ist.
  • Es ist unklar, was genau mit „nicht mehr hergeben“ gemeint ist.
  • Aufgrund dieser Überzeugung wird diese Person nichts weiter unternehmen, um den Markt zu bearbeiten, denn das wäre ja aus Ihrer Sicht sinnlos.
  • Die Negation „Der Markt gibt nicht mehr her.“ beschreibt ein Weg-Von Verhalten, und kein Ziel, was der Markt hergeben könnte oder sollte.

Ihre Sprache ist ein Verräter

Fassen wir zusammen. Was verrät nun diese, zunächst lapidar klingende, Aussage über den Sprecher:

  1. Eine Überzeugung, die diese Person hat.
  2. Hinter der Überzeugung steckt eine Emotion, die nicht verraten wird. Es könnte Ängstlichkeit und/oder Ärgerlichkeit o.ä. sein.
  3. Es wird klar gesagt, dass nichts weiter unternommen werden wird, solange diese Überzeugung besteht.
  4. Es werden Vermutungen getroffen, die unklar sind.
  5. Die Person wäre lieber „woanders“.

Wenn wir über Inhalte sprechen, dann erleben wir Argumentation, die leicht in Konfrontation mündet. Viel geschickter ist es also, gehörte Aussagen auf deren Form zu analysieren. Denn die Form verrät uns viel mehr als der eigentliche Inhalt.

Was sind nun die 5 Fakten, die Ihre Sprache über Sie verrät?

  1. Ihre Überzeugungen.
  2. Ihre verborgenen Emotionen über Ihre Überzeugung.
  3. Ihr zukünftiges Verhalten.
  4. Ihre Vermutungen.
  5. Ihren aktuellen emotionalen Zustand.

Wir sind also viel mehr ein offenes Buch, als wir das zunächst glauben würden. Ihre Sprache ist ein Verräter.

Wie sieht nun die Lösung aus?

Überlegen Sie in jedem Fall die Form Ihrer Kommunikation und die Form, in der Sie Ihre Inhalte verbreiten möchten. Achten Sie auf eine Form, die es für den Empfänger einfach macht, Ihre Inhalte annehmen zu können. Das geeignete Fragewort, um Strukturen und Form zu ergründen, ist das Fragewort „WIE“. Immer, wenn Sie mit Feststellungen konfrontiert werden, fragen Sie einfach: „WIE weißt Du das?“ Diese, zunächst ungewohnte Fragestellung, bewirkt wahre Wunder. Sie werden sehen, die Qualität Ihrer Kommunikation erreicht damit eine neue klare Ebene.

Thomas W. Albrecht arbeitet mit Menschen, die Vollgas geben und am Anschlag stehen, ihre Denkmuster umzupolen und auf Erfolgskurs zu bringen.

Er ist Speaker, Autor, Coach und Mentor, sowie Mitglied im Österr. Gewerbeverein und im Wirtschaftsforum der Führungskräfte Österreichs. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Führungskraft und als Unternehmer weiß er was es bedeutet, Verantwortung zu tragen und immer wieder an Grenzen zu stoßen.

Vielen seiner Klienten geht es so, dass sie bis zum Umfallen arbeiten, der Haussegen bereits schief hängt, den PartnerIn und die eigenen Kinder kaum noch sehen, der Stress einen übermannt und die Grenzen der Überforderung überschritten sind. 

Er bringt sie zurück zu Ihrer Authentizität und zu Ihrer Lebensfreude, damit sie in Zukunft in jeder Situation wieder klar, fokussiert und exzellent handeln können. https://twa.gmbh