Wenn Schule nicht mehr reicht

Der Beginn eines neuen Schul- und Studienjahres. Für zigtausende junge Menschen ein mehr oder weniger aufregender Tag. Für viele Eltern die Erleichterung nach den langen Sommermonaten. „Für das Leben lernst Du, nicht für die Schule!“, höre ich meine Eltern heute noch sagen. Schon damals war ich mir nicht ganz sicher, ob das stimmen würde, doch mangels besseren Wissens glaubte ich es. Heute bin ich mir ziemlich sicher, dass dies bestenfalls nur ein kleiner Teil einer größeren Wahrheit sei kann.

Der Status Quo des Schulsystems – was unsere Kinder nicht lernen

Was in Schulen und Universitäten gelehrt wird, ist zum größten Teil Faktenwissen. Dieses Faktenwissen alleine ist allerdings in unserer heutigen Zeit nicht mehr ausreichend. Dazu sind die Unsicherheiten in dieser Welt zu groß. Globalisierung ist heute Realität, dem Druck von Social Media jederzeit gerecht zu werden und andauernde Überforderung unserer Sinneskanäle stressen uns.

Doch Schule wird relativ unbeirrt ihrem ursprünglichen Jahrhunderte alten Auftrag weiterhin selbstgefällig gerecht. Zur Zeiten Kaiserin Maria Theresias sollten gute Soldaten erzogen werden. Später in der Zeit der Industrialisierung brave Fließbandarbeiter. Heute sind es Fachkräfte, die aus der Schule kommen sollten, doch sie tun es in nicht ausreichender Zahl. Gleichzeitig erleben wir Arbeitslosigkeit und Ausreden allerorts, die die Schuld auf die Politik, die Wirtschaft und sonstige Schuldenböcke schieben.

Die Auswirkungen auf unser berufliches und privates Leben

In der Schule und auf Universitäten wird objektives Wissen gelehrt. Objektives Wissen, das binnen kürzester Zeit veraltet ist. Doch das ist nur ein Effekt, und zwar der wesentlich kleinere. Das wirkliche Problem ist das folgende: Objektivität bedeutet, dass der Mensch, der dieses Wissen sich aneignen oder anwenden soll, darin nicht vorkommt. Wissenschaftlich bedeutet objektiv. Das schließt den Menschen per Definition aus, denn er als Mensch ist ja subjektiv.

Hiermit stoßen wir mit unserer alles bestimmenden Objektivität an massive Grenzen. Denn das Problem, das uns die Globalisierung, der Druck durch Social Media und die Überforderung unserer Sinneskanäle bescheren, ist ja höchst menschlich, also subjektiv. Menschen machen in dieser Welt Erfahrungen, für die sie in der Schule und auf der Universität keine Erklärungen bekommen haben.

Schule heute macht uns abhängig

Objektivität vermittelt uns auch, dass wir von unserer Umwelt abhängig sind. Wie kommt es sonst, dass unsere Spitäler übervoll sind, die Scheidungsraten weit über 50% liegen, zu viele Menschen freiwillig aus dem Leben scheiden und der Rest sich als Ausredenkönige und -königinnen etabliert – nach dem Motto: „Schuld sind die anderen!

Wir haben den Umgang mit Erfahrungen nicht gelernt und bekommen ihn auch nicht gelehrt. Denn diese Erfahrungen sind subjektiver Natur, und diese haben in einer objektiven Welt wenig Platz. Es geht jedoch um Kommunikation, Aufbau und Halten von Beziehungen zu sich selbst und zu anderen Menschen. Es geht um Verstehen, Verhandeln und um ein gutes Einvernehmen. Es geht um den Umgang mit Geld und Ressourcen. Und es geht um den Umgang mit Emotionen, wie Liebe, Respekt, Anerkennung, Vertrauen und die vielen Gefühle, die täglich durch unseren Körper gehen. Und es geht vor allem darum, seinen eigenen inneren emotionalen Zustand jederzeit bewusst steuern zu können.

Was es braucht, um starke Jugendliche und eine starke Wirtschaft zu bilden

Schule im weitesten Sinne muss mehr sein als bloßes Vermitteln von Faktenwissen. Wir sind aufgefordert unseren jungen Menschen in unserer Gesellschaft zu zeigen, dass sie ihr Leben in die Hand nehmen können. Sie sollen erfahren, dass Beziehungen entwickelt und gepflegt werden können. Sie dürfen verstehen, dass sie ihr Leben selbst gestalten können und die Wahl haben, wie sie auf ihre Umwelt reagieren möchten. Es geht darum, ein abgerundetes Wertesystem zu etablieren und zu entscheiden, was einem wirklich wichtig ist.

Wenn Schule und Universitäten dies nicht leisten können, dann sind wir in unserer Eigenverantwortlichkeit gefordert, unserer Jugend diese heute (über-)lebensnotwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen, diese Life-Skills, beizubringen. Machen wir sie zu Helden ihres Lebens.

Thomas W. Albrecht arbeitet mit Menschen, die Vollgas geben und am Anschlag stehen, ihre Denkmuster umzupolen und auf Erfolgskurs zu bringen.

Er ist Speaker, Autor, Coach und Mentor, sowie Mitglied im Österr. Gewerbeverein und im Wirtschaftsforum der Führungskräfte Österreichs. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Führungskraft und als Unternehmer weiß er was es bedeutet, Verantwortung zu tragen und immer wieder an Grenzen zu stoßen.

Vielen seiner Klienten geht es so, dass sie bis zum Umfallen arbeiten, der Haussegen bereits schief hängt, den PartnerIn und die eigenen Kinder kaum noch sehen, der Stress einen übermannt und die Grenzen der Überforderung überschritten sind. 

Er bringt sie zurück zu Ihrer Authentizität und zu Ihrer Lebensfreude, damit sie in Zukunft in jeder Situation wieder klar, fokussiert und exzellent handeln können. https://twa.gmbh